Commodore 1572

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Im Sommer 1985 stellte der Computerhersteller Commodore auf der Consumer Electronics Show (CES) in Chicago die Floppy 1572 vor. Bei der Commodore 1572 handelt es sich um eine Doppelfloppy, d.h. ein Gerät, in dem sich Laufwerke für zwei Disketten befinden. In den 70er- und 80er-Jahren waren Doppellaufwerke durchaus nicht selten, da sie sich gut für das rasche Anfertigen von Sicherungskopien eigneten. Auch die 1572 hätte diesem Zweck dienen sollen (ZAHN, KRETZINGER & CONERS 2012, S. 54). Einige andere Beispiele für Doppellaufwerke sind die Commodore 4040, 8050, 8250, Atari 815 und Apple DuoDisk.

Obwohl bereits in der Fachliteratur als Zubehör zum C128 angekündigt (ELLINGER 1985, S. 48), wurde die 1572 nie in Serie produziert. Die Gründe hierfür werden weiter unten im Technikkapitel erläutert. Aussagen des Commodore-Ingenieurs Fred Bowen zufolge existierten insgesamt drei Prototypen der 1572, darunter das auf der CES präsentierte Gerät (COMMODORE WORLD 1995, S. 23). Zumindest diese 1572 war funktionstüchtig, also kein Mock-up. Der Verbleib der Prototypen ist nicht bekannt. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass sich heute wenigstens eine 1572 in Sammlerhänden befindet.

Technik

Bei der Commodore 1572 handelt es sich aus technischer Sicht um zwei Commodore 1571 in einem gemeinsamen Gehäuse. Commodore brachte die 1571 als Einzellaufwerk passend zum Commodore 128 im Jahr 1985 auf den Markt. Sie ist kompatibel zu den älteren Laufwerken des Herstellers (z.B. 1541), verfügt jedoch über einige Neuerungen. So besitzt die 1571 zwei Schreib-/Leseköpfe, so dass Disketten doppelseitig ohne Umdrehen verwendet werden konnten. Außerdem war die 1571 in der Lage, Daten entweder im Commodore-Standardformat GCR oder in MFM (für CP/M) zu schreiben bzw. zu lesen. Schließlich konnte die 1571, verbunden mit einem C128, im besonders schneller Burstmodus arbeiten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch die 1572 all diese Funktionen aufgewiesen hätte. Die 1572 hätte jedoch im Unterschied zur 1571 zwei 5,25'' Disketten gleichzeitig aufnehmen können. Besonders praktisch wäre diese Anordnung für Backups gewesen.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, auf die Entstehung des Commodore Disk Operating Systems (DOS) einzugehen. Das für die 1572 vorgesehene DOS 3.x wäre eine Nachfolgeversion des DOS 2.6 aus der 1541 gewesen, das wiederum auf dem DOS der 4040 basiert. Die 4040 ist ein Doppellaufwerk mit zwei Prozessoren, die sich die Arbeit teilen. Ein 6502 kümmert sich um die Verarbeitung der Anwenderbefehle, ein 6504 übernimmt die Laufwerkssteuerung (SCHRAMM 1986, S. 118). Bei der Anpassung des DOS an das Einzellaufwerk 1541 nahmen die Commodore-Ingenieure einige Änderungen vor, da es in der 1541 nur noch einen Prozessor gab. Außerdem wurde z.B. der für schnelle Backups vorgesehene Befehl BACKUP aus dem DOS entfernt (ELLINGER 1985, S. 55). Beim "Wiedereinbau" der Doppellaufwerkfunktionalität kam es offenbar zu Problemen, was letztendich als ein Grund für das Scheitern der 1572 angesehen wird. Das Hauptproblem der 1572 war jedoch laut Fred Bowen die instabile interene Stromversorgung (COMMODORE WORLD 1995, S. 23).

Wie alle anderen Diskettenlaufwerke von Commodore wäre auch die 1572 de facto ein eigenständiger Computer gewesen. Möglicherweise hätte Commodore in die 1572 zwei 6502A(D)-Prozessoren eingebaut, da dieser Typ auch in der 1571 verwendet wurde. Der 6502A lief im "Normalbetrieb" mit 1MHz und im Burstmodus mit 2MHz. Quellen im Internet besagen, dass der 6502B als Prozessor für die 1572 vorgesehen war. Dies ist zu bezweifeln, da der 6502B mit 3MHz getaktet werden konnte, was für die 1572 aber nicht nötig gewesen wäre. ABSMEIER (1985) spricht lediglich von einem 6502 und nennt weitere Spezifika der 1572: pro Laufwerk 410KB Speicherkapazität, 8KB RAM und 64KB ROM mit dem DOS.

Gehäuse

Die 1572 wurde als Zubehör für den Computer Commodore 128 konzipiert, weshalb ihr Gehäuse stark dem des C128D ähnelt. Das Gehäuse sieht aus wie zwei 1571 nebeneinander. In einer Zeichnung bei WAITE, LAFORE & VOLPE (1985, S. 95) sind die beiden Laufwerke fälschlicherweise übereinander angeordnet. Im Internet gibt es Vermutungen, dass das Gehäuse des auf der CES 1985 gezeigten Prototyps lediglich aus zwei Gehäusen der 1571 "zusammengebastelt" wurde. Dass dies möglich ist, zeigt ein tolles Projekt, über das Sie bei GLÄSER (2009) mehr erfahren können. Betrachtet man aber die beiden Fotos, auf denen beide Laufwerke zu sehen sind, kommen Zweifel auf. Die Belüftungsschlitze befinden sich bei der 1572 etwas weiter hinten. Außerdem sieht es so aus, als habe die 1572 weniger Lüftungsschlitze. Man kann also davon ausgehen, dass das Gehäuse des Prototyps tatsächlich speziell für die 1572 angefertigt wurde. Ein weiteres Indiz hierfür ist der Abstand zwischen der 1572 und dem Tisch darunter. Während der Abstand zwischen der 1572 und der 1571 aufgrund der Gehäuseform der 1571 relativ groß ist, stellt man zwischen der 1572 und dem Tisch einen wesentlich geringeren Abstand fest. Die Unterseite des Gehäuses der 1572 war im Vergleich zur 1571 offenbar etwas flacher.

Fotos

Mir sind insgesamt drei Fotos der Commodore 1572 bekannt, die mit großer Sicherheit alle auf der CES 1985 in Chicago aufgenommen wurden. Eines der Fotos ist auf Seite 9 der Augustausgabe 1985 der 64'er abgebildet. Dieses Bild findet sich heute auch auf den meisten Websites, die die Commodore 1572 erwähnen. Besonders interessant ist das Foto, da es die 1572 im direkten Vergleich zur 1571 zeigt und damit Rückschlüsse auf das Gehäuse und die Größe der 1572 zulässt. Ganz ähnlich sieht ein Foto auf Seite 54 der Ausgabe 7 der INFO-64 aus. Es zeigt die 1572 zusammen mit einer 1571 von vorne. Das dritte Foto, diesmal ohne 1571, zeigt die 1572 mit leuchtender Power-LED. Es ist nicht bekannt, wer der Fotograf ist und wo bzw. wann das Foto zum ersten Mal erschienen ist.

Hier können Sie sich eine Zeichnung der Commodore 1572 ansehen.

Literatur

Links

Informationen über die 1572 im Web sind spärlich. Ziel dieser Liste ist es, alle Websites mit Bezug zur Commedore 1572 zu sammeln. Die Reihenfolge der Links ist willkürlich.

Links zum Original:

Links zum Nachbau:

Kontakt & Impressum

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